F(r)isch gegabelt

… oder ein Meeresungeheuer in der Küche.

Ganz so ungeheuerlich ist es nicht. Den tanzenden Schneeflocken draussen zum Trotz wird die Küche eingeheizt und mit sommersonnenschönen Rhythmen zum Leben erweckt. Der Gaumen schwelgt im Ferienmodus und die Gedanken schweifen ab in Richtung Atlantik. Schwarzer Lava Sand, tiefrote Sonnenuntergänge, das Singen der Zikaden im Wechselspiel zu den Möwen… kleine grüne, fleischige Pflanzen welche dem Wind trotzen und sich in Felsspalten festklammern. Sand zwischen den Zehen und Salz auf der Haut… ein Spiegelbild dessen lockt mit seinen Düften in der Küche und sehnt sich nach dem Meer, vorerst auf dem Teller.

Gesellschaft leistet mir dabei ein roter Drachenkopf und Salicorn, Mönchsbart, schwarzer Reis, Wasserkresse, Artischocken, eine Cedri und was ich sonst noch mit den Küsten meiner Träume verbinde.

… no random thought!….

Nachweihnachtlicher vorsätzlich bewusster thought..

vielleicht der bewussteste den ich je veröffentlicht habe… er verbindet den gelöschten und den neuen Blog. Ist verständlich und doch anders. Soll ins neue Jahr tragen. Soll den Puls beschleunigen und leben!

„Schönes Wetter“

Dies flache weite Blau ist nicht mein Meer;

Hier liegt im Sonnenglanz ein süsses Nass,

Das dieser Küste gut markierte Wehr

Mit leisem Kräuseln wäscht ohn Unterlass.

Mein Meer ist’s nicht, das demutsvoll bespült

Den glitzrig warmen Sand, den Strand so plan.

Ich brauche Wellen, stärker aufgewühlt;

Man hasst die Flaute, kennt man den Orkan.

Drum stürz die Liebe wieder über mich

Mit tausend Brechern tosend wild herein,

So Grausam jäh, wie sie einst kam und wich;

Mit Donnerbraus nah ihrer Fluten Pein

Und lass bei Ebbe dann im Herz zurück

Nur Algen und vom Wrack ein Splitterstück.

Dorothy Parker

(Veröffentlicht in einem grossartigen Gedichtband beim Dörlemann Verlag)

Sehnsuchtssüden in der Küche

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Dort, im Süden der Sehnsucht sind sie, die
schattigen Gassen, das Sonnenlicht ausschliessend um die Hitze des Tages zu vermeiden. Und auch die Häuser mit ihren dicken Mauern, die durch Wäscheleinen verbunden, gefüllt mit gebleichten Laken und gestärkten Hemden aneinander festhalten.
Unter geduckten Dächern alter Schindeln und Steine münden münden die Gassen in offenen Plätze mit Brunnen aus denen kühles Nass sprudelt.
In den Hauswänden kleine Nieschen mit Schutzpatronen und Blumen, sowohl dankend, als auch bittend.
Die Farben eher erdig und einfach gehalten. Keine aufmerksamkeitsheischenden bunten Töne. Es ist ein kleiner ruhiger Ort, umgeben von krustig, salziger Erde an der Küste an dem dies alles spielt. Sie erzählen von schwieliger Hände Arbeit und von Herzlichkeit, vom langsamen zur Ruhe kommen im Einfachen.
Etruskische Fresken runden das Bild ab und erzählen von seefahrenden Völkern, Fischern und Bauern, die von ihren Reisen Gewürze und Samen mitbrachten, welche in ihrer Vielfalt diese herrliche Grundlage der mediterranen Küche bieten. Kulturen und grenzüberschreitende Einigkeit die so harmonisch ist, dass es auch sonst so sein sollte.
Vielleicht brachten sie die Hülsenfrüchte mit, Linsen, die ihre Verbreitung im Mittelmeerraum haben und perfekt passen zum Mönchsbart, der sich als Salzgewächs (schnell blanchiert)perfekt kombinieren lässt mit Wiesenspargel (kurz angebraten) und Bohnen. Tomaten am Stängel gebacken geben noch mehr Sonne mit hinein. Und noch ein paar Gemüse mehr, wie Fenchel und Staudensellerie den richtigen Biss 😉
Um der Augenweide und dem Gaumen noch ein wenig mehr Freude zu machen Walnusskerne und Granatäpfelkerne.
Beinahe hätt ichs vergessen … das Meer das unter dem azurblauem Himmel ruht schenkt noch ein paar Garnelen.
Schöner kann der Sehnsuchtssüden kaum sein.

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