Büchertraumgaumenreisen

Manche Bücher darf man nur kosten, andere muß man verschlingen und nur wenige kauen und verdauen.

(Francis Bacon)

… und so kam es wie es kommen musste. Eine Spielerei vor der kleinen Hausbibliothek… man zupfe blind einige Bücher aus dem Regal… und siehe da ein jedes davon hat eine Geschichte zusätzlich zum Inhalt. Wann und warum las man es. War es einfach, oder erschloss man es.. hatte man Bilder und Geschmäcker dabei im Kopf und auf der Zunge.. nun ja, auf jeden Fall eine Herausforderung zu jedem gezupften Buch sich ein Gericht auszudenken! Eine Reise fern und doch Real, wenn man eintaucht in die Zeiten und Charaktere. Eine Weltreise der Geschmäcker, die manchmal nicht konträrer sein könnten. So wie jetzt geschehen mit einem Ergebnis das wirklich eine Weltbuschstabenmahlzeit ergibt…

Gezogen habe ich dann für diese Reise eine wirklich wilde Mischung, die zu einer Tafel führt quer durch das Europa verschiedener Epochen. Von Osteuropa bis in die neue Welt, nach Polynesien, Chile und Brasilien.. also eine echte Herausforderung das alles auf den Tisch zu bringen. Okay.. ja vielleicht mögen nicht alle Geschmäcker harmonieren auf den ersten Blick und Biss, aber genau das sollte es ja auch sein, ein Trip und der Spass etwas typisches zu finden und möglichst dicht an der Zeit und den Zutaten zu sein.. mit Joseph Roth, Milan Kundera und der italienischen Renaissance bewege ich mich hier zwischen den Welten und Zeiten der jüdischen und osteuropäischen Küche, wie auch mit den Artischocken und Saubohnen der römisch, jüdischen Küche. Eine Küche die in aller Herren Länder verstreut ist.. Weltküche eben.. Kichel, gehackte und gefilte Fisch, Salate mit Kichererbsen, Randen, Wasserkresse…bis hin nach Chile mit Sepulveda, Tonga und nach Brasilien weit übers Meer in die neue Welt..

Eine tolle Reise zum entdecken, träumen, lesen, Nachlesen und Wiederentdecken und dabei den Gaumen tanzen lassen..

Zur Wiederholung und Nachahmung empfohlen gerade in diesen Zeiten in denen die Ansteckung zum lesen und zur zwangsläufig damit verbundenen bildenden Genusserweiterung den Horizont vor Aluminiumbemützung schützt…

Random thoughts…

Winterferne Sommersehnsucht

Wenn man dem Regen entkommen will,

muss man ins Wasser gehen.

Wenn der Regen fällt,

muss er sich mit Sonne wie mit Salz vermischen.

Wenn der Mensch sein will, muss er Meer und Schatten,

Salz und Sonne in sein Dasein mischen.

(Auszug aus: Regen in Magens Bay, John Updike)

… no random thought!….

Nachweihnachtlicher vorsätzlich bewusster thought..

vielleicht der bewussteste den ich je veröffentlicht habe… er verbindet den gelöschten und den neuen Blog. Ist verständlich und doch anders. Soll ins neue Jahr tragen. Soll den Puls beschleunigen und leben!

„Schönes Wetter“

Dies flache weite Blau ist nicht mein Meer;

Hier liegt im Sonnenglanz ein süsses Nass,

Das dieser Küste gut markierte Wehr

Mit leisem Kräuseln wäscht ohn Unterlass.

Mein Meer ist’s nicht, das demutsvoll bespült

Den glitzrig warmen Sand, den Strand so plan.

Ich brauche Wellen, stärker aufgewühlt;

Man hasst die Flaute, kennt man den Orkan.

Drum stürz die Liebe wieder über mich

Mit tausend Brechern tosend wild herein,

So Grausam jäh, wie sie einst kam und wich;

Mit Donnerbraus nah ihrer Fluten Pein

Und lass bei Ebbe dann im Herz zurück

Nur Algen und vom Wrack ein Splitterstück.

Dorothy Parker

(Veröffentlicht in einem grossartigen Gedichtband beim Dörlemann Verlag)

Weihnachtsduft ganz anders…

Die Abende bei Kerzenschein und Zimtduft bekommen Hochkonjunktur. Aber was, wenn Zimt mal ganz anders auftaucht und zwar nicht in Plätzchen oder Bällchenform… herzhaft geht es eben auch und gaaaaanz anders.

Zimtkartoffeln sind mal ne echte Alternative! Damit ist nicht das Gewürz gemeint, sondern eine Wurzel, names Cubio. Sie verströmt einen leichten Zimtgeruch, aber einmal aufgeschnitten und zu einem Püree verarbeitet kommt ein Geschmack von Brunnenkresse und Meerrettich zum Vorschein. In der Kombination mit Seeteufel und in Ahornsirup karamellisiertem Rosenkohl rockt das den Gaumen.

Und weil es wieder Zeit ist für Cedri, gibt es noch den Frischekick obendrauf mit knackigem Salat aus Cedri, Fenchel, Erbsen, Brunnenkresse, Rauke und natürlich einer Handvoll Granatapfelkernen.

Ok, den Rest Weihnachtsduft und Zauber überlasse ich dann wohl doch dem Kerzenschein und der herrlichen Kulisse von schneebedeckten Dächern und Tannen.